Rezension „Geh nach Hause, Küttl“
Von Creativity First


Das Los des Lebens

Herr Küttl hat es (seiner Meinung nach) nicht leicht, denn irgendwie scheint seine Frau zuhause die Hosen anzuhaben. Zudem ist ihm seine junge Freundin ebenso abhandengekommen wie das Wohlwollen seiner "lieben" Mitmenschen. Aber Herr Küttl wäre nicht Herr Küttl, wenn er nicht mit reiflich durchdachtem Engagement, so sein Ansinnen, an den Schrauben des Schicksals drehen würde.

In Geh nach Hause, Küttl gewährt Rolf Kühne in kurzweiligen Episoden Einblicke in das an Aufmerksamkeit mangelnde Leben des Herrn Küttl. Et voilà! Damit schenkt der Autor seinem Protagonisten das so sehnlich vermisste Interesse.

Eines fällt beim Lesen schnell auf: Herr Küttl ist ein Zeitgenosse, der mit Eigentümlichkeit gesegnet worden ist. Sein Charakter vereint etwas angenehm Durchschnittliches auf der einen Seite mit dem Hang zum skurrilen Aktionismus auf der anderen Seite. Sein konsequentes Hauptanliegen dabei ist es, so mein Eindruck, sich in seiner Männlichkeit bestätigt zu fühlen. Ein Verlangen, mit dem sich vermutlich wohl vor allem die männlichen Leser anfreunden können. Die feminine Sicht der Dinge schlägt der Hauptfigur derweil auf weniger euphorische Weise ins Gesicht (und in die Magengrube). Aber hey, einen Küttl haut so leicht nichts um! Oder?

Stilistisch überzeugt Rolf Kühne mit einer unumwundenen, aber dennoch ausdrucksvollen Erzählweise. Herr Küttl wird mit der Rolle des Ich-Erzählers bedacht und glänzt insbesondere damit, scheinbar harmlosen Alltagssituationen eine bizarre Wendung zu geben. Für uns als außenstehenden Leser mit Sicherheit unterhaltsam. Für den verkannten Küttel vermutlich weniger.

Ein Buch, in dem das Antiheldenhafte an Bedeutung gewinnt. Letztlich sind wir alle, so klischeehaft es klingen mag, Schmied unseres eigenen Glücks. Ob wir das Eisen im Feuer nun schmieden wie ein Herr Küttl oder nicht, das bleibt schlussendlich jedem selbst überlassen...
 

 
Rezension „Zwei Namen im Schnee“
Von Creativity First


Lyrik zwischen dem Gestern und dem Morgen

Das Leben mit all seinen Facetten, seinem Feinschliff und seinen "Fehlern" ist ein Potpourri an Momenten und Erinnerungen, die uns prägen. Dabei verschränken Dankbarkeit und Wertschätzung ihre Finger mit Beklommenheit und Ernüchterung. Ein reizvolles Allerlei, das es sich allemal lohnt in einen Rahmen aus Poesie zu fassen. Gesagt, getan! Bei Zwei Namen im Schnee handelt es sich um das Debüt von Rolf Kühne, in dem Freunde einer gleichermaßen erfrischenden wie zugänglichen Alltagslyrik sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut wiederfinden werden.

In seiner Gedichtsammlung reiht der Autor mit Bedacht und dennoch augenscheinlich mühelos bildreiche Momentaufnahmen, Beobachtungen und Empfindungen aneinander. Die Balance aus Tiefgang und Leichtfüßigkeit sticht hierbei hervor. Denn obgleich nicht an jedem Leser selbst ein Poet verlorengegangen sein mag, so entsteht beim Eintauchen in die Gedichte eine gewisse Vertrautheit, die hie und da bestimmt Parallelen zu eigenen Erfahrungen und Aha-Erlebnissen kreiert.

Für mich strahlt dieses Buch trotz seines speziellen Genres eine "Alltagstauglichkeit" aus, die sympathisch ist. Das Ping-Pong-Spiel zwischen eindeutiger Bildsprache und der zwischen den Zeilen gelegenen Bedeutung sorgt für willkommene Gedankenanstöße. Diese werden losgelöst von festen Metren oder Reimformen gegeben. Auf diese Weise spiegelt sich die prägnante Freiheitsliebe des Autors auch hier wider.

Summa summarum sollten Leser, deren Herz für kurzweilige Gegenwartslyrik schlägt, diesem Erstlingswerk ihre Beachtung schenken.